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Land und Leute: Maria Detzel - Pionierin in der Landespolitik und Hitler-Gegnerin

Grafik: Von R.Bodmer, Altkolorierter Aquatinta-Stich nach Vorlage von J.A. Lasinsky, um 1830 - Rheinansichten-Album VUES DU BORDS DU RHIN, Wikimedia, gemeinfrei.

Grafik: Von R.Bodmer, Altkolorierter Aquatinta-Stich nach Vorlage von J.A. Lasinsky, um 1830 - Rheinansichten-Album VUES DU BORDS DU RHIN, Wikimedia, gemeinfrei. Im Hintergrund das Koblenzer Stadttheater, erster Versammlungsort der Beratenden Landesversammlung.

Maria Detzel. Foto: Landtag Rheinland-Pfalz.

Maria Detzel. Foto: Landtag Rheinland-Pfalz.

Als die Koblenzer Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am 29.3.1933 Hitler das Ehrenbürgerrecht verlieh, protestierten die SPD-Stadtverordneten Maria Detzel und Veit Rummel dagegen und wurden daraufhin abgeführt. Ihr Stadtverordnetenmandat musste sie am 19. April 1933 aufgrund ihres politischen Protestes vom März niederlegen.

Zuvor, am 12. März 1933, war Maria Detzel bei den vorgezogenen Kommunalwahlen für die SPD erneut in die Stadtverordnetenversammlung von Koblenz gewählt worden. Die NSDAP hatte im zweiten Monat nach der nationalsozialistischen Machtergreifung vom Januar 1933 nunmehr 19 Sitze erhalten, die SPD nur noch 3 Sitze.

Mehrfache Verhaftungen in der NS-Zeit aus politischen Gründen

Aus politischen Gründen wurde Maria Detzel als Geschäftsführerin des Reichsbundes entlassen. Kurz darauf wurde sie von der Gestapo in "Schutzhaft" genommen. Im Juli 1937 kam sie ein zweites Mal in "Schutzhaft". Im August 1944 wurde sie nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 erneut in Schutzhaft genommen und kam Ende September 1944 nach schweren Bombenangriffen wieder frei.

Nach dem 2. Weltkrieg wieder politisch und beruflich aktiv

Nach dem Ende des Nationalsozialismus engagierte sich Maria Detzel wieder politisch und war 1945 Mitbegründerin der SPD und der Gewerkschaften in Koblenz sowie Mitglied des Bürgerrats. 1946 bis 1962 gehörte sie der Stadtverordnetenversammlung und dem Stadtrat Koblenz an.

Mitglied der Beratenden Landesversammlung Rheinland-Pfalz

Von 1946 bis März 1947 gehörte Maria Detzel der Beratenden Landesversammlung Rheinland-Pfalz an.  Die Beratende Landesversammlung hatte den Auftrag, eine Verfassung zu erarbeiten. Die Landesversammlung war indirekt gewählt, nach dem prozentualen Ergebnis der vorausgegangenen Gemeinde- und Kreistagswahlen im Herbst 1946. Am 22. November 1946 kam die Beratende Landesversammlung zu ihrer konstituierenden Sitzung im Koblenzer Stadttheater zusammen. Der Anteil der Frauen unter den 127 Mitgliedern der Beratenden Landesversammlung betrug fünf Prozent, Maria Detzel war eine von ihnen. Am 18. Mai 1947 wurde der Verfassungsentwurf durch Volksabstimmung angenommen und zugleich der erste rheinland-pfälzische Landtag gewählt.

Die Landeszentrale für politische Bildung zählt Maria Detzel in ihren Blättern zum Land zu den "Frauen der ersten Stunde" (Frauen der ersten Stunde - Rheinland-pfälzische Landtagspolitikerinnen 1946-1955).

Kurzbiographie

Maria Detzel wurde am 6. April 1892 in Güls (heute Koblenz) geboren. Nachdem ihr Ehemann 1917 an der Front gefallen war, engagierte sie sich bei der Betreuung von Kriegsversehrten und Hinterbliebenen. Nach dem Krieg 1946 begann sie beruflich in der Versorgungsverwaltung, danach war sie Regierungsrätin und Referentin für die Kriegsopferversorgung im Ministerium für Arbeit und Volkswohlfahrt. Anschließend war sie von 1954 bis 1957 Regierungsdirektorin und Leiterin des Versorgungsamts Rheinland-Pfalz in Koblenz. Sie wurde mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette und mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. In Koblenz Asterstein wurde eine Straße nach Maria Detzel benannt. Maria Detzel starb am 5. Juli 1965.

In unserer Reihe über die Pionierinnen der Landespolitik haben wir bisher Lucie Kölsch, Susanne Hermans und Maria Herr-Beck vorgestellt.

 

Quellen und weitere Infos:

  • Barbara Koops (2001): Maria Detzel (1892-1965), in: Hedwig Brüchert (Berarb.): Rheinland-Pfälzerinnen: Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz, Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz

 

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