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Kornsandverbrechen: Sechs Menschen wurden kurz vor Kriegsende am Rhein erschossen

Seit 1954 erinnert ein Gedenkstein in der Nähe des Tatorts an das Verbrechen. Hier spricht der Vorsitzende des Niersteiner Geschichtsvereins, Hans-Peter Hexemer, am 21. März 2014 zum Gedenken. Foto: Geschichtsverein Nierstein.

Sechs Menschen aus Nierstein und Oppenheim fielen in den letzten Kriegstagen 1945 noch einigen Wehrmachtssoldaten und Nazis zum Opfer: das sogenannte Kornsandverbrechen ist ein Beispiel dafür, wie Verblendung, Hass und Brutalität auch im Angesicht des nahen Kriegsendes noch ihre sinnlosen Opfer forderte. Das Verbrechen jährt sich am 21. März zum 72 Mal.

Soldaten und Nazis flüchteten über den Rhein

Nach der Einnahme von  Bad Kreuznach rückten die US-Truppen Mitte nach Nierstein vor. Versprengte Wehrmachtseinheiten und führende Nationalsozialisten flüchteten mit ihren Familienangehörigen über die Fähre zwischen Nierstein und Kornsand auf das rechte Rheinufer. Am 18. März wurden fünf Männer und eine ältere Frau aus Nierstein verhaftet und zunächst zur NSDAP-Kreisleitung nach Groß-Gerau zur dortigen Polizeiwache und dann zur Gestapo nach Darmstadt geschickt, wo man sie am Morgen des 21. März freiließ.

Bei dem Versuch mit der Fähre am Kornsand oder mit einem Nachen nach Nierstein überzusetzen, wurden fünf der sechs Freigelassenen (Cerry und Johann Eller, Georg Eberhardt,  Nikolaus Lerch und Jakob Schuch ) von der Wehrmacht unter Leutnant Funk und Leutnant Kaiser „verhaftet“. Ludwig Ebling konnte entkommen.

18-Jähriger Leutnant erschießt sechs Menschen

Der ehemalige Leiter des Reichsschulungslagers der NSDAP in Oppenheim, Alfred Schniering, der sich zum "stellvertretenden Gauleiter" ernennt, nimmt ihnen Wertsachen und Papiere ab und erklärt, dass sie erschossen würden. Cerry und Johann Eller, Jakob Schuch, Georg Eberhardt, Nikolaus Lerch sowie der kurz zuvor aufgegriffene, unbeteiligte Volkssturmmann Rudolf Gruber werden schließlich zu einer Flakstellung in der Nähe des Kornsands gebracht. Nachdem sich mehrere Soldaten der Flakeinheit und auch die Volkssturmangehörigen weigerten, die Gefangenen zu erschießen, ermordet der 18-jährige Leutnant Kaiser die sechs Menschen, die vor ihren ausgehobenen Gräbern stehen müssen, mit seiner Dienstwaffe durch Genickschuss.

Von der rechten Rheinseite ließ Schniering auch Nierstein beschießen, wo die Bevölkerung weiße Fahnen gehisst hatte.

Täter wurden verurteilt

Von der Ersten Strafkammer des Landgerichts Mainz, die vom 19. bis 24. September 1949 im Oppenheimer Amtsgericht tagte, wird Alfred Schniering zu lebenslanger Haft und Ehrverlust verurteilt. Die Strafe wird später in eine 15-jährige, nur teilweise verbüßte Zuchthausstrafe umgewandelt.

Der Mordschütze Hans Kaiser wird aufgrund seines jugendlichen Alters und der durch Schule und Hitlerjugend geprägten Erziehung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, wovon ihm später mehrere Jahre erlassen werden.

Am 7. Dezember 1950 wird Heinrich Funk vom Schwurgericht des Landgerichts Mainz zu drei Jahren Gefängnis, in der Revisionsverhandlung am 14. September 1953 nur noch zu einer Gefängnisstrafe von 11 Monaten verurteilt.

Zur Erinnerung an die Opfer dieser Gewalttat wurde 1954 in der Nähe des Tatorts ein Gedenkstein enthüllt.

Quellen:

http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/xsrec/current/2/sn/edb?q=YToxOntzOjExOiJzYWNoYmVncmlmZiI7czoxMDoiRmx1Z2Fid2VociI7fQ== 

http://www.geschichtsverein-nierstein.de/kornsand.htm