LpB-Rheinland-Pfalz

Am Kronberger Hof 6
55116 Mainz

 Kontakt

Telefon/Fax:
Tel.: 06131 - 16 29 70
Fax: 06131 - 16 29 80

Bürozeiten:
Mo-Do: 8-16 Uhr,
Fr: 8-13 Uhr

E-Mail:
Mail an die LpB-Rheinland-Pfalz

Aktuell

Land und Leute: William Dieterle

Foto: By Deutsche Fotothek, CC BY-SA 3.0 de. Wikimedia Commons.

Foto: By Deutsche Fotothek, CC BY-SA 3.0 de. Wikimedia Commons.

William Dieterle war ein erfolgreicher Schauspieler in den 1920ern in Deutschland. In Hollywood wurde er ab 1930 zu einem der bekanntesten Regisseure, dessen Filmbiografien vielfach ausgezeichnet wurden. Berühmt ist seine Version des Glöckners von Notre-Dame, die bis heute als beste Verfilmung dieses Klassikers gilt. In Ludwigshafen ehrt man Dieterle seit 1993 mit dem „William Dieterle Filmpreis“ für Nachwuchsregisseure.

William (Wilhelm) Dieterle wurde am 15. Juli 1893 in Ludwigshafen am Rhein als Sohn eines Fabrikarbeiters geboren.

Dieterle arbeitete ab 1913 am Theater und in Filmen als Schauspieler. Er wirkte von 1920-23 an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin. An Leopold Jessners Staatstheater und Karlheinz Martins Deutschem Künstlertheater hatte er mehrfach Engagements wie auch im Wiener Theater an der Josefstadt und bei den Salzburger Festspielen.

1923 führte er erstmals Regie in „Der Mensch am Wege". Der Erfolg seiner Arbeiten brachte ihm 1930 einen Vertrag mit dem Hollywoodstudio Warner Bros. ein. Dieterle wurde zu einem der Hausregisseure des Studios und arbeitete in den folgenden Jahrzehnten in vielen verschiedenen Genres mit Topstars wie Marlene Dietrich, Errol Flynn, Betty Davis, Anna Magnani, Rita Hayworth und Henry Fonda.

Mit Max Reinhardt brachte Dieterle 1935 die noch heute berühmte Verfilmung von „Ein Sommernachtstraum“ auf die Leinwand in der neben vielen anderen Warner-Stars auch James Cagney mitspielte, der als Gangster-Darsteller zum Superstar der 30er Jahre aufgestiegen war. Zwei Oscars für „Beste Kamera“ und „Bester Schnitt“ sowie zwei Oscar-Nominierungen für „Bester Film“ und „Beste Regieassistenz“ gab es für den Film.

In den folgenden Jahren widmete sich Dieterle oft Filmbiografien berühmter Menschen wie Louis Pasteur, Émile Zola, Florence Nightingale, Paul Ehrlich und Benito Juarez. Sein Film „Das Leben des Emile Zola“ wurde 1938 für die „Beste Regie“ und neun weitere Kategorien für den Oscar nominiert. Der Film siegte in den Kategorien „Bester Film“ und „Bester Nebendarsteller“ für Joseph Schildkraut, der Alfred Dreyfus spielte.

Neben all seinen Filmen war Dieterle, der 1937 amerikanischer Staatsbürger wurde, immer ein politisch und sozial bewusster Mensch. In seinen Filme ging es um menschliche Würde und Toleranz. Dieterle setzte sich auch für von den Nazis verfolgte und vertriebene Künstlerinnen und Künstler ein. So war er 1939 bei der Gründung der antifaschistischen Kulturzeitschrift „The Hollywood Tribune“ und des englischsprachigen Exiltheaters „The Continental Players" dabei. Auch sein späteres Engagement für den „European Film Fund“ und sein „Hilfskomitee für deutsche Schauspieler“ nach 1945 zeigen seine soziale Verantwortung.

1939 drehte er einen seiner größten Erfolge: die Verfilmung von Victor-Hugos „Der Glöckner von Notre Dame“ mit Charles Laughton in der Titelrolle und der noch völlig unbekannten Maureen O’Hara als Esmeralda. Bis heute gilt sein Werk als beste Verfilmung des Klassikers.

Nach einem Bruch mit Warner 1941/42, leitete Dieterle die erfolglose William Dieterle Production Co. bei RKO. Von 1945 bis 1956 filmte er für MGM, David O.Selznick, Paramount und Columbia vor allem Melodramen.

1956 wurde Dieterle mit dem Verdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1958 kehrte er nach Deutschland zurück und inszenierte u.a. bei den Salzburger Festspielen, an den Städtischen Bühnen Frankfurt, in Berlin, am Zürcher Schauspielhaus und am Deutschen Theater in München. 1960 drehte er Zuckmayers „Die Fastnachtsbeichte". Unter den Schauspielern war auch ein noch sehr junger Götz George. Im gleichen Jahr wurde Dieterle mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame ausgezeichnet.

1961-64 arbeitete Dieterle als Intendant des Bad Hersfelder Freilichttheaters und für das deutsche und österreichische Fernsehen. Sein letzter Spielfilm war 1964 „The Confession" 1965 erwarb Dieterle das Tourneetheater „Der grüne Wagen". 1970 erhielt Dieterle das Filmband in Gold für sein „langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film“.

William Dieterle starb am 9. Dezember 1972 in Ottobrunn bei München.