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Ein Blick zurück: Wiedervereinigung am Deutschen Eck

Vor 25 Jahren wurde für die Menschen in Ost und West ein lang gehegter Traum zur Wirklichkeit: Aus den beiden deutschen Staaten wurde wieder einer. Der 3. Oktober 1990 ging in die Geschichte ein als Tag der deutschen Wiedervereinigung. Seitdem wird dieses Ereignis jedes Jahr in einem der 16 Bundesländer gefeiert. Beim Jubiläum ist nun Frankfurt dran: Vom 2. bis 4. Oktober 2015 werden rund eine Million Besucher zur Einheitsfeier in der Bankenmetropole erwartet. Mit dabei sind auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

In der Nacht der Wiedervereinigung vom 2. auf den 3. Oktober 1990 gab es nicht nur die große offizielle Feier am Reichstag in Berlin. Auch in Rheinland-Pfalz wurde in dieser Nacht eine Feier vom damaligen "Landeskuratorium Unteilbares Deutschland RLP" organisiert - es war die zweitgrößte Feier in Deutschland mit über 150.000 Besucherrinnen und Besucher. In Koblenz vor dem traditionsreichen Deutschen Eck am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Geschäftsführer des Kuratoriums in Rheinland-Pfalz war damals Dieter Gube, der heute bei der Landeszentrale für politische Bildung beschäftigt ist.

Er erinnert sich: 

„In Zusammenarbeit mit Radio RPR 1 gab es am frühen Abend ein Konzert, bei dem als absoluter Höhepunkt die damals sehr bekannte und beliebte Gruppe der Neuen Deutschen Welle, die  "Spider-Murphy-Gang" auftrat und die Stimmung der weit über 150.000 Besucherinnen und Besucher aufheizte. Die Leute standen so dicht gedrängt- dass es kaum eine Möglichkeit des Durchkommens gab. Ab 23 Uhr stimmte das Landespolizei-Orchester die Leute mit Berliner Melodien langsam auf die Feierstunde am Deutschen Eck ein.

Nach einer Begrüßung durch den Koblenzer Oberbürgermeister Willi Hörter sprach der Kulturstaatssekretär der letzten demokratisch gewählten DDR-Regierung, Dr. Manfred Bartsch, ein Grußwort und überbrachte die Grüße des scheidenden DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maiziere. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Dr. Carl-Ludwig Wagner, würdigte in seiner anschließenden Rede die Entwicklung, die zur deutschen Einheit geführt hat.

Flaggen der neuen Bundesländer am Deutschen Eck

Um Mitternacht rief  Landtagspräsident Dr. Heinz-Peter Volkert - gleichzeitig auch Vorsitzender des Landeskuratoriums Unteilbares Deutschland - unter Trommelwirbel die fünf neu beigetretenen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen auf; daraufhin wurden jeweils die Flaggen der neuen Bundesländer unter Fanfarenklängen gehisst und von der Menge mit frenetischem Jubel begrüßt.

Feuerwerk auf Ehrenbreitstein

Als alle fünf Flaggen und auch die Deutschland-Fahne auf dem Denkmalssockel in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht waren, wurde die Nationalhymne angestimmt. In das anschließende Läuten der Koblenzer Kirchenglocken setzte ein farbenprächtiges Feuerwerk auf der Festung Ehrenbreitstein ein, das über eine halbe Stunde lang die Leute in ihren Bann zog. Viele Gäste aus dem rheinland-pfälzischen Partnerland Thüringen, die endlich einmal den Zusammenfluss von Rhein und Mosel hautnah und unmittelbar erleben wollten, nutzten dazu am ersten Einheitsfest zusammen mit vielen Menschen aus Rheinland-Pfalz Gelegenheit. . 

Hin und her gerissen

Meine Gefühlslage vor 25 Jahren? Ich war hin und her gerissen von der großen Aufgabe, eine solche Feier zu organisieren, und von der Freude, dass endlich wieder alle Deutschen zusammen kommen konnten. Besonders die Besucherinnen und Besucher aus Thüringen und der Koblenzer Partnerstadt Sondershausen, die extra für diese Feier nach Koblenz kamen, haben mich beeindruckt und gerührt: Alles war neu und einmalig. Auch nach 25 Jahren lassen mich die Erinnerungen an diese Nacht nicht kalt - und es ist für mich als Koblenzer eine Ehrensache, am 3. Oktober ans Deutsche Eck zu spazieren."

Den Abschluss der Feierlichkeiten, die das Landeskuratorium Unteilbares Deutschland organisiert hatte,  bildete  am  neu eingeführten Nationalfeiertag ein ökumenischer Dankgottesdienst in der nahe am Deutschen Eck gelegenen St-Kastor-Kirche. Das Kuratorium wurde  nach Erreichen ihres Satzungszweckes - die staatliche Einheit Deutschlands - zum Ende des Jahres 1990 aufgelöst.

Mehr zum Thema Deutsche Einheit gibt es in einer aktuellen Ausgabe von „Aus Politik und Zeitgeschehen“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Zudem bietet die Landeszentrale eine Bücherliste zum Thema an.

 

Die Feier zur Wiedervereinigung 1990 am Deutschen Ecke in Koblenz. Quelle: Holger Weinandt, CC-By-SA 3.0

Heinz-Peter Volkert, Landtagspräsident und Vorsitzender des Kuratoriums Unteilbares Deutschland, das die Einheitsfeier organisiert hatte. Foto: Thomas Frey, Quelle: Stadtarchiv Koblenz

Foto: Thomas Frey, Quelle: Stadtarchiv Koblenz

Foto: Thomas Frey, Quelle: Stadtarchiv Koblenz