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Land und Leute: Madame Palatine – Liselotte von der Pfalz

Liselotte von der Pfalz, frühes Porträt. Public Domain, Wikimedia Commons.

Liselotte von der Pfalz, frühes Porträt, Bildausschnitt. Public Domain, Wikimedia Commons

Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans, besser bekannt als Liselotte von der Pfalz, fand trotz Unmengen an höfischen Verpflichtungen noch die Zeit rund 60.000 Briefe zu schreiben. Damit ist die calvinistische Prinzessin aus der Kurpfalz und Enkelin des „Winterkönigs“ Friedrich V. eine der wichtigsten Zeitzeuginnen aus dem direkten Umfeld des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV.
Am 27. Mai 1652 auf dem Heidelberger Schloss geboren, fiel Elisabeth Charlotte, genannt  Liselotte, durch ihr lebhaftes und impulsives Wesen auf. 1659-1663 lebte sie bei ihrer Tante Sophie, der Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, am welfischen Hof, der sie in den nächsten Jahrzehnten tausende Briefe schrieb.


Am 30. Juni 1670 war Henriette von England, Schwägerin Ludwigs XIV., verstorben. König Ludwig war bestrebt seinen Bruder Philippe von Orléans möglichst rasch und „gewinnbringend“ wieder zu verheiraten. Um als Gattin in Frage zu kommen, musste Liselotte dem Calvinismus absagen und katholisch werden. Kurz vor der Ehe trat Liselotte zum Katholischen Glauben über, was Ihren neuen Mann aber nicht daran hinderte sich bei der Trauung am 16. November 1671 vertreten zu lassen. Liselotte lernte ihn erst vier Tage später kennen. Aus der Ehe mit Philippe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor.

Ihr Schwager Ludwig XIV. und sie waren sich auf Anhieb sympathisch und teilten die Begeisterung für Hunde, Pferde und die Jagd, aber auch für Theater und Oper. Der König schätzte die unbefangene und lebhafte Art der Herzogin, die ein ausgezeichnetes Französisch sprach. War die pfälzische Prinzessin am Anfang zunächst von den Höflingen wegen ihrer Kleidung und ihrem sportlichen Wesen belächelt worden, wurde sie plötzlich von allen hofiert.
Der Stern Liselottes begann jedoch zu sinken, als nach dem Tod der Königin Marie Thèrese 1683 der Aufstieg der Madame de Maintenon begann. Zwischen beiden entwickelte sich eine lebenslange Feindschaft. In Liselottes Brief heißt es etwa „. Die heimliche Eheschließung Ludwigs XIV. mit der alten Zott habe alles Unglück über ganz Frankreich gebracht.“

Der unerwartete und kinderlose Tod ihres Bruders Karl am 26. Mai 1685, war der willkommene Vorwand, für den Sonnenkönig um im Namen seiner Schwägerin Liselotte Ansprüche auf kurpfälzische Gebiete zu erheben und Frankreichs Grenze bis an den Rhein vorzuschieben.


Der „Pfälzische Erbfolgekrieg“ begann im Herbst 1688, als Ludwig XIV. kurkölnische und kurpfälzische Gebiete besetzen ließ. Eine Stadt nach der anderen fiel in die Hände der französischen Truppen, so auch Kaiserslautern, Speyer, Worms, Oppenheim und Mainz. Heilbronn und Heidelberg wurden im Oktober eingenommen, ehe Mannheim sich am 10. November ergab.

Nach dem Jahreswechsel gingen die Franzosen daran, die besetzten Gebiete systematisch niederzubrennen, um so an der Westgrenze Frankreichs eine entmilitarisierte Zone zu schaffen. Zahllose Burgen, Schlösser, Ortschaften und Städte – auch im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz – wurden hierbei erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Einer großen Allianz zwischen dem Deutschen Reich, Spanien, Schweden, England, Holland und Savoyen gelang es das französische Hegemoniestreben zu begrenzen. Doch Heidelberg und Mannheim, die freien Reichsstädte Speyer und Worms waren großflächig zerstört und ein Großteil der Bevölkerung tot oder auf der Flucht. Erst mit dem Frieden von Rijswijk (1697) fand diese Politik der verbrannten Erde ein Ende. Liselotte, in deren Namen dieser Krieg angezettelt worden war, hatte nur tatenlos zusehen können, wie ihre geliebte Heimat nahezu dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Liselottes Mann starb 1701 an den Folgen eines Schlaganfalls. 1714 verlor sie ihre geliebte Tante Sophie. Als die Regierungszeit Ludwigs XIV. 1715 endete, folgte ihm zwar sein fünfjähriger Urenkel Ludwig XV. Doch die Regentschaft für  ihn übernahm Liselottes Sohn Philipp II. von Orléans. Liselotte war die erste Frau am französischen Hof.

Bis wenige Tage vor ihrem Tod am 8. Dezember 1722 schrieb sie weiter ihre unzähligen Briefe. Was der Jesuitenpater Cathalan in seiner Trauerrede auf sie im März 1723 sprach, erschließt sich noch heute aus ihren Briefen: „Ich kenne niemanden, der so stolz und großherzig und doch keineswegs hochmütig war; ich kenne niemanden, der so gewinnend und liebenswürdig und doch keineswegs lasch und kraftlos war; eine besondere Mischung aus germanischer Größe und französischer Umgänglichkeit tat sich kund, heischte Bewunderung. Alles an ihr war Würde, aber eine anmutige Würde. Alles war natürlich, ungekünstelt und nicht eingeübt. Sie spürte, was sie war, und ließ es die anderen spüren. Aber sie spürte es ohne Überheblichkeit und ließ es die anderen ohne Verachtung spüren.“

Weitere Infos:

- http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/liselotte-von-der-pfalz/