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Land und Leute: Henriette Sontag

Henriette Sontag auf einem Gemälde von Paul Delaroche, 1831. Ausschnitt, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Die Sopranistin Henriette Sontag war die Callas des 19. Jahrhunderts. Eine Sängerin von Weltruf, die als erste Primadonna gilt. Goethe, Beethoven und Carl Maria von Weber waren von ihrem Können begeistert. Als Gertrude Walbourge Sontag am 3. Januar 1806 in Koblenz geboren, trat die Tochter von Schauspielern schon im Alter von vier Jahren in Kinderrollen auf. 1817 wurde sie vom Prager Konservatorium für eine Ausbildung in Gesang und Musiktheorie aufgenommen. Da sie während ihrer Ausbildung mehrfach im Prager Theater aufgetreten war, entließ das Konservatorium Henriette Sontag 1821 wegen „Verstoß gegen die Disziplin“. Ihrer Karriere tat dies keinen Abbruch.

Henriette Sontag trat in fast allen europäischen Großstädten auf. In Wien sang die siebzehnjährige 1823 die Titelrolle in Carl Maria von Webers romantischer Oper „Euryanthe“. 1824 war sie die Sopranistin bei der Uraufführung von Beethovens 9. Symphonie. In Nordamerika wurde sie als „europäische Nachtigall“ berühmt. Für ihr musikalisches Können wurde sie in Deutschland honoriert und zur Königlichen Hof- und Kammersängerin ernannt.

Ludwig Börne, Wegbereiter der literarischen Kritik und vielleicht radikalster Publizist seiner Zeit, war in seiner Theaterkritik begeistert von ihrem Auftritt in Frankfurt:

„Eine so hochgespannte Erwartung zu befriedigen, habe ich, ehe ich die Wirklichkeit erfahren, nicht für möglich gehalten. Aber alle Zuschauer gestanden, daß Fräulein Sontag jede Erwartung übertroffen habe. Und hier, wo der Schein zum Wesen gehört, was könnte verführt, was geblendet haben? Eine bezaubernde, unbeschreibliche Anmut begleitet alle Bewegungen dieser Sängerin, und man weiß nicht, ob man ihr Spiel oder ihren Gesang als den schönen Putz einer vollkommenen Schönheit ansehen soll. (…) Man vergaß ganz den abgeschmackten Text des Rossinischen Othello, man sah und hörte Shakespeares Desdemona. (…)Man sah alte Männer weinen – eine solche Wirkung bringt eine bloße Künstelei, sei sie noch so unvergleichlich und unerhört, nie hervor. (…) Die Begeisterung, welche Henriette Sontag als Desdemona entzündet, glich einem griechischen Feuer, das gar nicht zu löschen war“.

Nach der Heirat mit dem sardinischen Gesandten Graf Carlo Rossi, unterbrach sie 1830 ihre künstlerische Laufbahn auf dem Höhepunkt ihres Erfolges. Sie begleitete ihren Mann auf seinen Auslandsaufenthalten in verschiedenen Großstädten Europas.

Ab 1849 nahm sie ihre Karriere wieder auf. Ihr Mann war als Gesandter entlassen worden, Henriette Sontag trat wieder in Europa auf, um das standesgemäße Leben ihrer Familie zu sichern. Mit großem Beifall wurde sie von dem Publikum in Europa aufgenommen.

Am 16. Dezember 1851 hatte Henriette Sontag den einzigen Auftritt in ihrer Geburtsstadt Koblenz.

1852-54 bereiste sie die Konzerthallen in Amerika. Nach großen Erfolgen in den Vereinigten Staaten, ging es nach Mexiko. Ihr letzter Auftritt war in der Rolle der Lucrezia Borgia in Gaetano Donizettis gleichnamiger Oper. Am 11. Juni erkrankte Sontag an Cholera, an der sie am 17. Juni 1854 starb. Sie wurde provisorisch in der Nähe von Mexiko-City bestattet. Am 3. Mai 1856 fand in der Michaelskapelle des Klosters Marienthal in der Lausitz die endgültige Beisetzung statt. Dort lebte ihre Schwester als Ordensfrau.

In Koblenz erinnern eine Marmortafel am Geburtshaus (Eckhaus Am Plan / Entenpfuhl), die Henriette-Sontag-Straße (Lützel) und eine Ausstellung im Mittelrhein-Museum an sie.

Links:

zeno.org

Landeshauptarchiv

Encyclopaedia Britannica

Weber Gesamtausgabe

Koblenz.de